7. Biographie Walter Barbian

7. Biographie Walter Barbian

In Saarbrücken führt die « Strasse des 13.Januar 1935 Â» von der Polizeikaserne zum Schlachthof. Es ist das Datum der Volksabstimmung in der die Saarländer für ihre Angliederung ans Naziregime gestimmt haben. Er ist 15 Jahre alt und erhält seinen ersten deutschen Pass.

Walter Barbian, 1919 im vom Völkerbund verwalteten Saarland geboren, interessiert sich früh für Fotografie, träumt von der Fremde und davon ferne Gegenden zu entdecken.

Aber zunächst einmal ist es die Armee des Dritten Reichs die ihn in die Ferne mitnimmt und in den Arbeitsdienst schickt. In dieser Zeit dient alles der Kriegsvorbereitung, auch die Art wie man ihn den Spaten tragen lässt erinnert an die das Gewehr zu schultern.

Er ist 20, als der Sturm losbricht. In der Luftwaffe wird er mit dem Fotografieren auf Aufklärungsflügen über der Nordsee beauftragt. Als ein britisches Schiff sein Flugzeug abschiesst, überlebt er den Absturz und schwimmt im eiskalten Wasser bis er heraus gefischt wird. Die belichteten Negative hat er gerettet.

Im November 1946 kehrt Walter Barbian endgültig an die Saar zurück. Der Krieg hat ihn in die entferntesten Winkel verschlagen, von Russland bis in die Sahara, von Italien bis an die Atlantikküste, dann nach Paris während des Aufstandes. Zu Beginn des Krieges wurden die Soldaten ermutigt die Fotos ihrer siegreichen Kampagnen in die Heimat zu schicken. Als das Blatt sich 1943 wendet wird das Fotografieren unter Todesstrafe verboten, die Fotoapparate müssen abgegeben werden. Doch Barbian hat sich zeitlebens nie das fotografieren verbieten lassen – er ignoriert den Befehl, näht seinen Apparat in sein Kopfkissen ein und fotografiert heimlich weiter, verbrannte Dörfer in Russland, Exekutionen von « Partisanen », nicht wirklich im Sinne der Heeresführung. Auch solche Bilder sind in seinem Archiv zu finden.

Zurück in seiner Heimatregion, kann er die Stadt, die er als Kind und junger Mann kannte nicht mehr finden, ganze Stadtteile sind verschwunden, man erkennt kaum noch die Straßen zwischen den Ruinen. Er fotografiert die Katastrophe: unzählige Negativtaschen zeugen unter dem Titel « Zerstörung und Wiederaufbau » von dieser Phase.

Und er ist sportbegeistert: schon vor dem Krieg hat er Leichtathletik bei Saar05 betrieben, jetzt spielt er Handball und wird Torhüter der Saarländischen Handballnationalmannschaft.

Barbian ist noch keine 30 Jahre alt, als er zunächst mit der Plaubel Machina, dann mit der Rolleiflex dabei ist, als das Saarland als unabhängiges Territorium aus der Asche aufersteht. Er wechselt erneut die Nationalität und beginnt seine Fotografie an Zeitungen, Zeitschriften, Illustrierte zu verkaufen: Saarlandische Landeszeitung, Neue Zeit, Tele, Illus, Saarländische Volkszeitung, Saarbrücker Zeitung u.v.m. Bis zum Ende des Jahrhunderts sollte den Saarländerinnen und Saarländern die Bildunterschrift « Foto: Barbian » ein täglicher Begleiter sein.

Durchforstet man andere Archive nach grösseren Ereignissen, kann es gut sein, dass man dort ganz beiläufig auf unseren Fotografen stösst, so wie in diesem Bericht einer französischen Wochenschau anlässlich der Wiedereinweihung der Malstatter Brücke 1955. In einem Schwenk zu Publikum und Presse kann man ihn mit seiner Rollei sehen, die dabei entstandene Aufnahme im Format 6×6 mit Bürgermeister Peter Zimmer hier daneben.

Als die Saarländer am 23.Oktorber 1955 das europäische Statut für die Saar ablehnen und das Saarland am 1.Januar 1957 als neues Bundesland Deutschland angegliedert wird, wird Walter Barbian erneut Deutscher. Doch anders als in seinen Jugendjahren, als er noch nicht wählen konnte, ist in ihm in der Zwischenzeit die Überzeugung gewachsen, dass die Zukunft nur eine europäische sein kann. Wie ein Drittel der Saarländer hat er für das Statut gestimmt, aber diese Wahl zeitlebens für sich behalten, wissend wie schwer es künftig die Befürworter beruflich haben würden.

Die Montanunion, die europäischen Verträge, die diplomatische Lösung der Saarfrage hat die Realisierung Europas erst möglich gemacht. Walter Barbian hat all das bis zu seinem Tod im Jahr 2005 gelebt und fotografiert.

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